Schichtwechsel – Begegnungen auf Augenhöhe

Von Denise Grytzka, Sozialdienst, Seniorenresidenz Bölschestraße

Am 25. September 2025 fand erneut der bundesweite Aktionstag Schichtwechsel statt. Dieser besondere Tag eröffnet Perspektiven, die im Alltag oft verborgen bleiben. Mitarbeitende aus Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes können Werkstätten, Tagesförderstätten und andere Einrichtungen kennenlernen – Orte, an denen Menschen mit Einschränkungen ihre Fähigkeiten einbringen und als Expert*innen ihrer Teilhabe wirken. Gleichzeitig erhalten Menschen mit Einschränkungen die Möglichkeit, für einen Tag in Betriebe hineinzuschnuppern, die sonst außerhalb ihres beruflichen Alltags liegen.
Die Idee ist einfach, aber wirkungsvoll: Arbeit verbindet. Arbeit schafft Begegnungen, die Klischees hinterfragen, neue Chancen eröffnen und Inklusion erlebbar machen. Der Schichtwechsel zeigt eindrücklich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht in Programmen oder Konzepten entsteht, sondern in echten, gelebten Begegnungen.

 
Ein besonderer Tag in der Seniorenresidenz Bölschestraße
Auch die Seniorenresidenz Bölschestraße beteiligte sich zusammen mit den VfJ Werkstätten am diesjährigen Aktionstag. Mit dabei waren Samantha und Lisa, zwei junge Frauen mit viel Herz, Offenheit und Energie. Für einen Tag wurden sie Teil des Teams in der Seniorenresidenz – und waren sofort mittendrin. Sie begleiteten Bewohnende, führten Gespräche, halfen tatkräftig bei den Vorbereitungen für das Oktoberfest, deckten Tische ein, dekorierten, tanzten und feierten gemeinsam.
Dabei zeigten sie, wie wichtig Begegnungen auf Augenhöhe sind: nicht als „Besuch“ oder „Gast“, sondern als echte Kolleginnen, die mitgestalten und spürbar bereichern. Ihre Wärme und Natürlichkeit öffneten Herzen – bei Bewohnenden ebenso wie bei Mitarbeitenden. Für alle Beteiligten war es ein Tag voller Nähe, Respekt und echter Freude.

Perspektivwechsel in beide Richtungen
Doch der Schichtwechsel endet nicht dort. Am 18. November werden fünf Mitarbeitende der Seniorenresidenz Bölschestraße die VfJ Werkstätten in Adlershof besuchen, um dort einen Tag mitzuwirken. Auch sie werden erfahren, wie vielfältig, kreativ und bedeutend die Arbeit in Werkstätten ist.
Dieser beidseitige Austausch macht sichtbar, wie sehr alle Seiten voneinander lernen können. Er zeigt, dass Inklusion nicht einseitig geschieht, sondern im Dialog wächst – wenn wir bereit sind, den eigenen Blickwinkel zu erweitern – so Denise Grytzka – Sozialarbeiterin der Seniorenresidenz.

Fazit:
Der Aktionstag Schichtwechsel macht deutlich: Inklusion entsteht nicht durch Worte, sondern durch Begegnungen. Er schafft Räume, in denen Menschen mit und ohne Einschränkungen ihre Stärken zeigen und voneinander lernen können. Was bleibt, ist mehr als ein schöner Tag – es sind Erfahrungen, die Mut machen, Vorurteile überwinden und neue Wege eröffnen. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der Sichtbarkeit, gleiche Chancen und Selbstbestimmung selbstverständlich sind. Der Schichtwechsel zeigt, wie das gelingen kann: durch Offenheit, durch gemeinsames Tun – und durch die Erkenntnis, dass Vielfalt nicht trennt, sondern verbindet.

Intranet durchsuchen